Resilienz im Unternehmen
Warum nicht nur Mitarbeitende, sondern auch Organisationen widerstandsfähiger werden müssen
Mein Chef sagt, ich soll resilienter werden, dann wird alles besser.
Dieser Satz einer Coachee, die mit Erschöpfungssymptomen zu mir ins Resilienz-Coaching kam, hat mich tief bewegt. Er zeigt ein grundlegendes Missverständnis, das in vielen Unternehmen weit verbreitet ist: Resilienz wird oft einseitig betrachtet und allein auf die Mitarbeitenden abgewälzt. Doch wer muss eigentlich widerstandsfähiger werden – die einzelnen Mitarbeitenden oder das Unternehmen als Ganzes?
Resilienz – mehr als nur eine individuelle Verantwortung
Die Vorstellung, dass Mitarbeitende durch mehr Achtsamkeit, bessere Selbstorganisation und eine positive Einstellung allen Herausforderungen standhalten können, ist weit verbreitet. Natürlich lässt sich Resilienz trainieren: Wer seine mentale Gesundheit stärkt, kann besser mit Stress umgehen, Unsicherheiten bewältigen und langfristig belastbarer bleiben. Doch Resilienz ist keine Einbahnstraße.
Ein Unternehmen, das von seinen Mitarbeitenden erwartet, unter allen Umständen widerstandsfähig zu bleiben, ohne selbst für eine gesunde Arbeitsumgebung zu sorgen, übergeht eine entscheidende Komponente: die organisationale Resilienz.
Warum Resilienz im Unternehmen kein DIY-Projekt ist
Stell dir vor, du arbeitest in einem Umfeld mit unklaren Zuständigkeiten, mangelnder Unterstützung und wenig Vertrauen. Egal wie resilient du bist – irgendwann reichen individuelle Bewältigungsstrategien nicht mehr aus. Ohne stabile und unterstützende Rahmenbedingungen ist selbst der belastbarste Mensch irgendwann erschöpft.
Resilienz im Arbeitskontext muss immer auf zwei Ebenen gedacht werden:
1. Individuelle Resilienz
Mitarbeitende können lernen, ihre mentale Gesundheit zu stärken, wenn sie:
- Zugang zu ihren eigenen Kraftquellen haben
- sich bewusst mit Selbstmanagement auseinandersetzen
- lösungsorientiert denken
- ein starkes soziales Netz besitzen
2. Organisationale Resilienz
Unternehmen stehen in der Verantwortung, Strukturen zu schaffen, die Resilienz fördern. Dazu gehören:
- eine geteilte Vision und Werte
- Flexibilität und proaktive Veränderungsgestaltung
- eine wertschätzende Unternehmenskultur
- die Förderung lebenslangen Lernens
Nur in einem Umfeld, das sowohl Sicherheit als auch Flexibilität bietet, können Mitarbeitende langfristig gesund und leistungsfähig bleiben.
Resilienz ist Teamwork
Resiliente Mitarbeitende machen Unternehmen widerstandsfähiger – und resiliente Unternehmen schaffen den Rahmen, in dem Menschen wachsen und Belastungen meistern können. Es reicht nicht, den Einzelnen die Verantwortung aufzubürden, während die Organisation ihre Strukturen nicht hinterfragt.
Resilienz ist kein reines DIY-Projekt – es ist eine gemeinsame Aufgabe. Nur wenn Unternehmen und Mitarbeitende gemeinsam an einem Strang ziehen, kann nachhaltige Widerstandsfähigkeit entstehen.